Folgekosten der Mittelrheinbrücke

Für den Kostenvergleich zwischen Mittelrheinbrücke und optimiertem Fährbetrieb ist es unseriös lediglich die Kosten für die Erstmaßnahme - den Bau der Mittelrheinbrücke - heranzuziehen. Bei einer Brücke dieses Kostenrahmens, sollte eine Nutzen-Kosten-Untersuchung durchgeführt werden, wie dies in der RI-WI-BRÜ [Richtlinie zur Durchführung von Wirtschaftlichkeitsuntersuchungen im Rahmen von Instandsetzungs-/ Erneuerungsmaßnahmen bei Straßenbrücken] für Straßenbrücken des Bundes gefordert wird.

RI-WI-BRÜ

Im Rahmen von Neubaumaßnahmen im Straßenbau sind nach § 7 BHO für Maßnahmen mit erheblicher finanzieller Bedeutung gesamtwirtschaftliche Verfahren in Form von Nutzen-Kosten-Untersuchungen (NKU) durchzuführen. Erhaltungsausgaben sind Investitionen in das Anlagevermögen des Bundes und stellen ebenso wie Investitionen in Form von Neu- und Ausbauten eine langfristige Anlage von Kapital in Sachgüter dar. Wirtschaftlichkeitsuntersuchungen sollten daher auch für Erhaltungsinvestitionen zunehmend Berücksichtigung finden.

Zu den Erhaltungsmaßnahmen von Straßenbrücken gehören die Unterhaltung, die Instandsetzung und die Erneuerung. Wirtschaftlich ist eine Maßnahme nicht schon dann, wenn die Baukosten möglichst gering sind. Vielmehr sind für einen definierten Betrachtungszeitraum alle relevanten Folgekosten der Entscheidung Instandsetzung oder Erneuerung aufzuzeigen, d. h. mit welchen Folgemaßnahmen, die wiederum Instandsetzungs- oder Erneuerungsmaßnahmen darstellen, innerhalb des Bewertungszeitraums zu rechnen ist. Ziel der Wirtschaftlichkeitsbetrachtungen ist es also, Maßnahmen zu identifizieren, die mit vertretbarem Mitteleinsatz zu einer möglichst langen Nutzungsdauer der instand gesetzten oder erneuerten Straßenbrücken führen und mit möglichst geringen Erhaltungskosten in der Folge der Erstmaßnahme verbunden sind. [1]

Pflege der Mittelrheinbrücke

Welche Risiken Brücken bergen, wenn sie nicht kontrolliert werden, sollte seit dem katastrophalen Einsturz der Autobahnbrücke im amerikanischen Minnesota - Interstate-35W-Mississippi-River-Brücke - im August 2007 jedem klar sein. Das Unglück forderte 13 Tote und 60 zum Teil schwer Verletzte, 100 Fahrzeuge stürzten in den Missisippi.

Seit dem ADAC Brückentest in Deutschland ist auch klar, dass das Kontrollsystem, gerade von Brücken in kommunaler Trägerschaft nicht gut funktioniert. Den Kommunen fehlt oft das Geld für die Folgekosten des Brückenbauwerks. So fanden die Tester beispielsweise heraus, dass bei drei der in Koblenz getesteten Brücken in den letzten 20 Jahren keine Hauptprüfung stattgefunden hat. [2]

Ein gut ausgebautes Kontrollsystem ist aber wichtig. So sollte eine Brücke wie die Mittelrheinbrücke nach Fertigstellung alle sechs Jahre einer großen Prüfung unterzogen werden, einer Art Brücken-TÜV. Alle 3 Jahre sollte es eine Zwischenprüfung geben. Einmal pro Jahr sollte ein Ingenieur der Brückenüberwachung die Mittelrheinbrücke in Augenschein nehmen. Darüber hinaus sollten jedes halbe Jahr Mitarbeiter der Straßenverwaltung einen kritischen Blick auf die Mittelrheinbrücke werfen. Die Folgekosten eines Brückenbauwerks für diese laufende Pflege sind erheblich.

„Unsere Brücken sind sicher“, sagt Stremmel - Brückenprüfer aus Hessen. Allerdings nur, wenn sie weiter laufend gepflegt werden. Die Faustformel der Brückenprüfer lautet: Alle 25 Jahre müssen 20 bis 25 Prozent der Neubausumme investiert werden. [3]

Folgekosten von Brücken in Rheinland-Pfalz

Der Rechnungshof Rheinland-Pfalz kommt in seinem Jahresbericht 2011 zu dem Schluss, dass der Bauwerkzustand der Brücken an Landesstraßen in Rheinland-Pfalz zunehmend schlechter wird. Es fehlt dem Land an einer Erhaltungsstrategie für seine Brücken.

Das vom Landesbetrieb Mobilität seit 2003 angestrebte Ziel, eine wesentliche Verschlechterung des Zustands der Brücken an Landesstraßen zu verhindern, wurde nicht erreicht. Mehr als ein Drittel der Brücken befindet sich in einem problematischen Zustand. Dieser erfordert umgehende oder kurzfristige Instandsetzungsmaßnahmen.

Die Ausgaben für die Erhaltung der Brücken unterschritten 2004 bis 2008 die Ansätze in dem Investitionsplan und in den Bauprogrammen erheblich. Für diesen Zeitraum hatte ein Gutachter einen um 39 Mio. € höheren Finanzbedarf ermittelt.

Eine Strategie, die eine systematische Erhaltungsplanung von Brücken, einen bedarfsgerechten Mitteleinsatz und eine Erfolgskontrolle ermöglicht, fehlte.

Vor der Bauabnahme erforderliche Prüfungen von Brückenbauwerken führte der Landesbetrieb teilweise nicht oder verspätet durch. In einigen Fällen hielt er in einer Datenbank Bauwerksbewertungen vor, die nicht dem tatsächlichen Zustand der Brücken entsprachen. [4]

Elke Greiff-Gossen - 14.04.2011

[1] RI-WI-BRÜ »
[2] ADAC Brückentest »
[3] Alle sechs Jahre kommt der Brücken-TÜV »
[4] Rechnungshof Rheinland-Pfalz - Jahresbericht 2011 Teil II 22 Seite 22 »

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Quelle: Foto Loreleyfelsen Felix König
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