Auftaktveranstaltung zum Masterplan Welterbe Oberes Mittelrheintal

04.11.2011 - St. Goar Rheinfelshalle

Meet & Greet

Impressionen aus dem Welterbe Oberes Mittelrheintal; Präsentation von Welterbegastgebern, Ausstellung Wettbewerb Baukultur, UNESCO Welterbe Oberes Mittelrheintal

Eröffnungsrede - Staatssekretär Walter Schumacher

Staatssekretär Walter Schumacher, Regierungsbeauftragter für die Welterbestätten in Rheinland-Pfalz, referierte über:

  • die alten und "neuen" Welterbestätten in Rheinland-Pfalz
  • die enormen Bundes- und Landesmittel, die in das UNESCO Welterbe Oberes Mittelrheintal geflossen sind
  • die Forderung der UNESCO nach einer nachhaltigen Entwicklung des Welterbes
  • die Begeisterung der UNESCO über das Welterbe Oberes Mittelrheintal

Der Film zum Masterplan Welterbe Oberes Mittelrheintal

UNESCO Welterbe Oberes Mittelrheintal

526, das ist der Flusskilometer bei Rüdesheim und Bingen. Hier beginnt das Obere Mittelrheintal und es reicht bis nach Koblenz bei Flusskilometer 593 im Norden. 67 Kilometer, die es in sich haben. Dieser Bereich wird vielfach als der schönste Teil des Rheins zwischen Alpen und Nordsee bezeichnet. Gäste aus aller Welt kommen hierher. Weinbau und Tourismus sind das wirtschaftliche Rückrad der Region.

Seit der Römerzeit wird hier Wein angebaut. Der Riesling gedeiht hervorragend und ist der Star unter den Traubensorten.

Aber in den letzten 50 Jahren wurde etwa die Hälfte der Weinberge in den Steilhanglagen aufgegeben und es ist zu befürchten, dass in den nächsten Jahren noch viele Brachen dazukommen. Der romantische Mittelrhein würde dann sein charakteristisches Aussehen verändern.

Lebensqualität und Freizeitwert des Oberen Mittelrheintals sind hoch. Vor allem Radfahren oder hier Wandern sind sehr beliebt.

Aber Kinder leben leider immer weniger im Oberen Mittelrheintal. Der demografische Wandel hat auch hier Folgen. Menschen werden weniger und älter.

An vielen Stellen im Mittelrheintal gibt es wunderschöne Häuser. Hier wird noch Baukultur gepflegt.

Doch marode Häuser und Gebäude sind vor allem in den Dorf- und Stadtkernen ein Problem. Auch Leerstand führt zur Abwertung des Tals. Verkaufen-Schilder sind immer häufiger zu sehen.

Neue Firmen siedeln sich an, wie hier in Bacharach. So werden neue Arbeitsplätze geschaffen und die sind wertvoll für das Tal. Tradition bewahren und neues entwickeln. Die Vinothek in Spay machts vor, sie ist ein Anziehungspunkt für Einheimische und Welterbegäste. Neu ist auch das Familien- und Jugendgästehaus auf der Festung Ehrenbreitstein. Das zieht junge Menschen an.

Es gibt aber auch das Gegenteil. Firmenschließungen. Hier gehen Arbeitsplätze verloren und in der Folge schließen oft auch Läden vor Ort.

Schon immer sind die Fähren das Bindeglied zwischen den Ufern des Rheins. Von Mainz bis Koblenz gibt es keine Brücke und insbesondere abends ist es manchmal nicht einfach auf die andere Rheinseite zu kommen. Die Brücke kommt in den nächsten Jahren nicht, aber geplant ist die Fährzeiten auszuweiten

Touristen und Einheimische sind gerne auf dem Rheinsteig und dem Rhein Burgen Weg unterwegs, zwei Premiumwanderwege.

Doch starker Bahnlärm stört die Erholung immer mehr. In den letzten Jahrzehnten hat sich der Güterverkehr im Rheintal vervierfacht. Lärm belästigt Mensch, Wirtschaft und Umwelt. Eine große Anzahl von Bürgerverbänden und Landkreisen kämpfen deshalb seit Jahren für mehr Lärmschutz.

Das Obere Mittelrheintal - Viele offene Fragen, aber auch viele Möglichkeiten. Wirtschaftsministerin Lemke will sie mit dem Masterplan UNESCO Welterbe Oberes Mittelrheintal angehen.

"Also ich freue mich jedes mal, wenn ich hier bei Ihnen im Oberen Mittelrheintal sein darf. Und jetzt darf ich für die Landesregierung mit Ihnen zusammen das Tal entwickeln. Wir wollen dem Tal eine Zukunft geben, Ihnen Arbeitsplätze, wir wollen Touristen hier anlocken, hierher holen und der Welt zeigen wie schön dieses Welterbe ist. Es verdient eine Zukunft und gemeinsam wollen wir sie gestalten."


Staatsministerin Eveline Lemke

Wirtschafts- und Tourismusministerin Eveline Lemke betont: „Für mich stehen keine neuen Großprojekte, sondern die kreative Arbeit mit den Verantwortlichen und Engagierten vor Ort im Fokus der Workshops im nächsten Jahr. Das Welterbe ist aber keine kulturhistorische Käseglocke, unter der ein Status-Quo konserviert werden soll. Die Auszeichnung als UNESCO-Weltkulturerbe verpflichtet vielmehr, die notwendigen strukturellen Veränderungen dieses Lebensraumes von rund 100.000 Einwohnern selbstbewusst und konstruktiv zu gestalten und gleichzeitig die Qualität des Welterbes zu erhalten.“ Das Ergebnis dieses gemeinsamen Diskussionsprozesses soll der UNESCO Anfang 2013 vorgelegt werden.

Zukünftig wird das Obere Mittelrheintal vor gewaltige Herausforderungen gestellt sein. Neben Strategien zur Bewältigung der Folgen demografischer Veränderungsprozesse wie z.B. Abwanderung und Siedlungsleerstand, werden Themen wie die Lärmbelastung durch den Schienenverkehr sowie Fragen der gezielten touristischen Entwicklung eine wichtige Rolle spielen, um die Menschen für das Leben oder den Besuch im Tal zu begeistern.

Die Aufforderung des Welterbekomitees der UNESCO, einen Masterplan zu erstellen, gibt hierfür einen Rahmen. Der Masterplan Welterbe Oberes Mittelrheintal will einen Diskussionsprozess mit den Verantwortlichen aus Politik und Verwaltung, den Unternehmen und Verbänden sowie den Bürgerinnen und Bürgern vor Ort initiieren. Am Ende des Masterplan-Prozesses soll ein gemeinsames und breit akzeptiertes Leitbild für das Welterbe Oberes Mittelrheintal stehen. [1]

Landrat Günter Kern

Statement von Landrat Günter Kern, Rhein-Lahn-Kreis, Vorsitzender des Zweckverbandes Oberes Mittelrheintal, zu "Zukunftsvorstellungen zur Entwicklung der Welterbestätte Oberes Mittelrheintal."

Zentrale Forderungen: Mittelrheinquerung und Alternativtrasse.

Was wurde erreicht und was ist noch zu tun, nachzulesen im Handlungsprogramm 2006-2011 des Zweckverbandes Welterbe Oberes Mittelrheintal

Gehen oder Bleiben? Zur Zukunft des Mittelrheintals

Der Filmemacher Edgar Reiz zu seinem neuen Projekt "Die andere Heimat". Bleiben und Gehen - in dem Film wird die Geschichte desjenigen erzählt, der bleibt.

Fragen: Wo kommen wir her? Was bedeutet Heimat? Auswanderer kommen zurück! Identität? Was wollen wir?

Statements aus dem Publikum

In den Statements aus dem Publikum wurde im wesentlichen auf folgende Punkte hingewiesen:

  • das Machbare sollte im Vordergrund stehen, denn es wird keine Großprojekte geben
  • die Mittelrheinquerung wird weiter gefordert (Zweckverband, IHK, Kreise und BI)
  • Arbeitsplatzmangel
  • DSL-Versorgung
  • Benachteiligung der rechten Rheinseite
  • Umweltschäden durch die Bahn, Erschütterungen
  • Hochwasserschutz
  • Denkmalschutzproblematik, Kosten für die Instandsetzung eines Hauses sind enorm
  • Fährtarife sind zu hoch
  • Erhalt des Welterbe kann nicht erzwungen werden

[1]     PM 2011-11-04 Wirtschaftsministerium Rheinland-Pfalz

 

Stimmen zur Auftaktveranstaltung zum Masterplan Welterbe Oberes Mittelrheintal

Guter Start - Fährzeitverlängerung geht nicht weit genug

Eindrucksvoll und überzeugend hat Frau Ministerin Lemke Anforderungen und Probleme im Oberen Mittelrheintal geschildert und eine vielfältige lange Diskussion aufkommen lassen. Diese hat unter anderem gezeigt, dass es in vielen Bereichen viel zu tun gibt und Jeder aufgefordert ist, mitzuarbeiten. Von daher ist der Auftakt zum gemeinsamen Masterplan voll gelungen!

Die angekündigte Fährzeitverlängerung um insgesamt 1,5 h täglich greift allerdings viel zu kurz: Um eine wirkungsvolle Vernetzng der Fähren in das Verkehrsnetz zu erreichen, sollten die Fähren im ersten Schritt mindestens die Zugabfahrtszeiten berücksichtigen. Das heisst, montags bis freitags sollte die Fähre ab 4:30 Uhr und samstags und sonntags bis 1:30 fahren, damit die Fahrgäste mit dem ersten bzw. letzten Zug noch über den Rhein kommen. Zudem sollten die Fähren zügig in den Verkehrsverbund Rhein-Mosel integriert werden, um die Nutzung mit den günstigeren VRM-Fahrkarten zu ermöglichen.

Nur eine sofortige deutliche Verbesserung der Rheinquerungen verbessert die Mobilität und die Glaubwürdigkeit!

Mario Pott, VCD RLP

BI: Fähre muss rund um die Uhr fahren

Mittelrhein - Die Bürgerinitiative (BI) Rheinpassagen bleibt bei ihrer Forderung, dass eine der fünf Autofähren im Welterbetal rund um die Uhr den Verkehr aufrechterhält. „Mit der von Innenminister Roger Lewentz verkündeten Lösung, den Fährbetrieb zwischen St. Goar und St. Goarshausen bis 24 Uhr auszuweiten, sind wir nicht zufrieden“, sagt das Bopparder BI-Mitglied Doris Gawel.

Wie unsere Zeitung exklusiv berichtete, macht die rot-grüne Landesregierung ab April ihr Wahlversprechen wahr, „einen ausgeweiteten Fährbetrieb bis 2016 zu erproben“.

Für „Rheinpassagen“ ist der Slogan „24-h-Fähre jetzt!“ zum Markenzeichen geworden. Als Ziel hat die Bürgerinitiative „verbesserte Rheinquerungen im Welterbe Oberes Mittelrheintal“ auf ihre Fahnen geschrieben. Angestrebt werden zudem „preiswertere Tickets für Anwohner und Vielfahrer bis hin zum Nulltarif“.

Auch dieses Thema bleibt für die BI weiter aktuell „Die Fahrpreise für Anwohner und Pendler müssen reduziert werden“, fordert Doris Gawel. Überhaupt: Mit der Vorgehensweise der Landesregierung ist die Bopparder Gastronomin überhaupt nicht einverstanden. Offensichtlich habe Lewentz nur mit der Betreiberfirma der Fähre St. Goar/St. Goarshausen über die Ausweitung des Fährverkehrs gesprochen, moniert Gawel.

BI-Mitglied und Fähren-Experte Rolf Daum aus St. Goarshausen plädiert dafür, die Fähre St. Goar/St. Goarshausen werktags von 5 bis 1 Uhr fahren zu lassen. Die Fähren in Boppard und Kaub sollten seiner Meinung nach das ganze Jahr zwischen 6 und 23 Uhr unterwegs sein.

Angesichts der Tatsache, dass die Brücke nicht gebaut wird, könnten im Grunde genommen alle fünf Autofähren rund um die Uhr kostenlos die Passagiere transportieren. Dann wären die Subventionszahlungen des Landes an die Fährbetreiber immer noch geringer als die Kosten für die Brücke, meint Daum.

Eine vom Rheinischen Verein für Denkmalpflege und Landschaftsschutz in Auftrag gegebene Studie – sie wurde im Februar im Bopparder Hotel Bellevue vorgestellt (wir berichteten) – kam zum Ergebnis, dass zur Optimierung des Fährverkehrs die Fahrzeit von drei der fünf Fähren ausgeweitet werden müsse. Die leistungsstärksten Fähren St. Goar und Rüdesheim sollten rund um die Uhr verkehren, die Kauber Fähre täglich 18 Stunden hin- und herpendeln. Die – wie der Autor der Studie Andreas Thiemer formulierte – „nicht für den vollen Einsatz tauglichen Fähren“ in Boppard und Niederheimbach könnten dann wie bisher tagsüber fahren.

Laut Studie sei es ratsam, dass alle fünf Fähren ihre Fahrzeiten aufeinander abstimmen und eine Tarifkooperation bilden, sodass die Fahrscheine für alle Fähren gültig seien. Zur Optimierung des Fährverkehrs gehöre auch eine Verknüpfung des Fährverkehrs mit dem ÖPNV.

„Der große Frust der Mittelrheiner ist, dass sie für die Benutzung der Fähren ihr Portemonnaie zücken müssen“, weiß Anne Hammerl von der Betreiberfirma der St. Goarer Fähre. Ob die Anwohner die Fähren eines Tages kostenlos benutzen können, darüber hat sich noch kein Entscheidungsträger verbindlich geäußert.

Rhein-Hunsrück-Zeitung 2011-11-05

Vielen Besuchern der Veranstaltung zum Masterplan war gar nicht klar, dass es an diesem Abend gar nicht um die Mittelrheinbrücke ging. Es ging eigentlich darum, sich Wege zu überlegen, wie man zu einer Formulierung der Entwicklungsziele für das Mittelrheintal kommt.

Mit dem Masterplan möchte die Unesco wissen, ob unsere Ziele der Entwicklung des Mittelrheintals mit den Zielen des Welterbetitels vereinbar sind. Wenn die Unesco diese Zielformulierung vorliegen hat, wird sie entscheiden, ob die Ziele übereinstimmen oder miteinander vereinbar sind. Danach können wir entscheiden, welche Ziele für uns höherwertig sind und ob das Mittelrheintal Welterbe bleiben soll oder nicht.

Zur Zielformulierung spielt die Bezahlbarkeit oder die Geldherkunft keine Rolle. Auch das Gutachten der RWTH Aachen ist dafür keine Grundlage, da es von Rahmenbedingungen ausgeht, die wohl vom Auftraggeber vorgegeben wurden und nicht wirklich der Realität entsprechen. Wir müssen uns vielmehr überlegen, welche kurzfristigen Ziele formulierbar und umsetzbar sind und welche Ziele nur langfristig anzudenken sind. Die kurzfristigen Ziele müssen unstreitig welterbeverträglich sein, da wir uns sonst selbst die Entscheidungsmöglichkeit nehmen. Die langfristigen Ziele sollten welterbeverträglich sein, sofern wir den Welterbestatus behalten wollen. Nur darauf wird uns die Unesco eine Antwort geben. Ob unsere Ziele dann faktisch umsetzbar und bezahlbar sind, das wird unsere Aufgabe bleiben.

Was Frau Lemke zur Finanzierbarkeit gesagt hat, ist für den Masterplan ohne Belang. Sie hat damit allerdings ein Thema angesprochen, was uns und die Politik in Zukunft massiv bedroht. Wir haben jahrelang über unsere Verhältnisse gelebt und haben unsere Finanzen nicht mehr im Griff. Daher müssen Menschen, die große Wünsche und Forderungen haben, auch eine seriöse Finanzierung darlegen können. Nur wer seine Finanzen im Griff hat, bleibt handlungsfähig. Deswegen bin ich froh, dass unsere Landesregierung dies inzwischen auch so sieht. Wir müssen alle zusammen kreativer werden und gemeinsam neue Wege suchen. Daher müssen wir versuchen, kurzfristige Ziele zu formulieren, die finanzierbar sind, unser kulturelles Erbe erhalten und die Region in ihrer Einzigartigkeit herausstellen. So erhöhen wir die Attraktivität der Region und ziehen Menschen an.

Vielleicht verhilft uns die Diskussion um den Masterplan dazu.

Matthias Boller, Lahnstein, BI Rheinpassagen


Statements zur Auftaktveranstaltung zum Masterplan Welterbe Oberes Mittelrheintal

Aktionsbündnis Welterbe Oberes Mittelrheintal

Wir danken der Landesregierung von Rheinland-Pfalz, hier vertreten durch die für die Landesplanung zuständigen Ministerin Eveline Lemke und den für die Welterbestätten zuständigen Staatssekretär Walter Schumacher, für die Einladung zu dieser Auftaktveranstaltung zum Masterplan. Dieser Masterplan wird vom Welterbekomitee der UNESCO nach dem Beschluss vom Juli 2010 ergänzend zu einem Managementplan eingefordert.

Die im Aktionsbündnis UNESCO-Welterbe Oberes Mittelrheintal vereinigten Verbände aus dem Denkmal-, Natur- und Landschaftsschutz begrüßen den hier stattfindenden Austausch zwischen Politik, Verwaltung und den betroffenen Bürgern vor Ort ausdrücklich.

Wir möchten darauf hinweisen, dass dem Welterbekomitee keine Mittel zur Verfügung stehen, um den Erhalt des Welterbes zu erzwingen oder anzuordnen. Es kann nur über die Vergabe des Welterbetitels entscheiden – oder wie in Dresden geschehen – diesen prestigeträchtigen Titel entziehen. Darin drückt sich die geteilte Verantwortung für das Welterbe aus, denn über den Erhalt in Bestand und Wertigkeit des Erbes der gesamten Menschheit entscheiden ausschließlich der Vertragsstaat und die Bevölkerung vor Ort.

Es kommt daher ganz besonders darauf an, ein gegenseitiges Verständnis der Inhalte und Ziele zu entwickeln, die am Ende des Planungsprozesses stehen und gemeinsam festgelegt werden müssen, so dass sie von möglichst allen Akteuren beachtet werden können.

Zur Entwicklung dieses Verständnisses möchte das Aktionsbündnis beitragen.

Der Weg zur Verständigung und die Notwendigkeit dazu ergibt sich aus dem Auftrag, das Welterbe, das ein Erbe der gesamten Menschheit ist, in Bestand und Wertigkeit zu erhalten.

Was den Bestand ausmacht und worin die Wertigkeit liegt, wie und auf welchen Wegen und mit welchen konkreten Maßnahmen dies erhalten werden kann, darüber ist im Masterplan Klarheit zu schaffen.

Hierfür sind auch neue Wege der Kommunikation zu entwickeln. Wie notwendig das ist, haben wir im Falle des Projekts Stuttgart 21 gesehen, aber auch in Dresden, einer Stadt, in der die Bevölkerung wegen des Brückenbaus immer noch zerstritten ist. Hier im Mittelrheintal ist die Situation eine andere, weil noch keine grundlegenden abschließenden Entscheidungen getroffen sind, sei es durch eine Planfeststellung oder einen Bürgerentscheid.

Wir freuen uns, dass unsere Forderungen für eine breite Bürgerbeteiligung – wir betonen Beteiligung und nicht Entscheidung – in Öffentlichkeit und Politik Gehör gefunden haben. Die Forderung des UNESCO-Welterbekomitees nach einem zunächst unverbindlichen Masterplan verstehen wir nunmehr als eine sehr bedeutende Chance, für das Mittelrheintal einen gemeinsamen Weg zu finden.

Dafür hat das Welterbekomitee bereits im Beschluss 34 COM 7 B 87 vom Juli 2010 gefordert, dass „eine Vision für das Welterbe für die kommenden Jahrzehnte entwickelt werden muss, deren Umsetzung in einem Masterplan ebenso aufgezeigt werden muss, wie weitere Maßnahmen, die z.B. mit einer Brücke verbunden werden“.

Im Beschluss 35 COM 7 B 93 vom Juli 2011 präzisiert das Welterbekomitee, dass im Masterplan festgehalten werden soll, wie der außergewöhnliche universelle Wert erhalten werden kann und „wie sich die Kulturlandschaft in nachhaltiger Weise im Hinblick auf Verkehr, Lärmbelästigung sowie demographische und wirtschaftliche Entwicklungen entwickeln könnte“.

Deutlich wird in diesen beiden Beschlüssen, dass das Welterbekomitee für die Fülle der Probleme im Mittelrheintal keine einfache Lösung durch ein einziges Projekt erwartet, sondern eine Strategie mit einem Maßnahmenbündel, das zudem eine Laufzeit über mehrere Jahrzehnte haben soll, um Nachhaltigkeit zu entwickeln. Diese Strategie für eine nachhaltige und ökonomische Entwicklung der Kommunen ist im Masterplan so zu beschreiben, dass zugleich auch der außergewöhnliche universelle Wert, der OUV, gesichert werden kann. Zwischen den Zeilen wird in den Beschlüssen deutlich, dass das Projekt einer einzelnen Brücke diesen Anforderungen nicht Genüge tut.

Eine Vision für das Mittelrheintal zu entwickeln bedeutet auch, weit über Vergangenheit und Gegenwart hinaus in die Zukunft zu blicken. Hierzu ist ein politischer Prozess anzustoßen, ganz sicher aber nicht eine „Käseglocke“ über die Landschaft zu stülpen. Es geht darum die Bedingungen für die nachhaltige Entwicklung so zu gestalten, dass die Landschaft einvernehmlich und verträglich mit den Zielen der UNESCO für das Welterbe von den Menschen genutzt und weiterentwickelt werden kann.

Mit anderen Worten: die oftmals widerstreitenden Parameter von Ökonomie, Ökologie und Denkmalschutz sollen in Einklang gebracht werden.

Dazu hat das Welterbekomitee zuletzt in seinem Beschluss vom Juli 2011 und der Begründung dazu Entscheidendes gesagt und Erwartungen zum Ausdruck gebracht:

Das Welterbekomitee erinnert ausdrücklich an die Auffassungen des UNESCO-Welterbezentrums und der Beratungsorganisationen von ICOMOS und IUCN, dass bei den Bewertungen der Auswirkungen der geplanten Brücke der zusätzliche Verkehr – mit bis zu 2.000 zusätzlichen Fahrzeugen pro Tag – und die sich daraus ergebenden zusätzlichen Umwelt- und Lärmbelastungen ein Schwerpunkt der Kritik waren, und – wir zitieren – „dass zur Zeit nicht klar zu erkennen ist, wie eine Brücke der Kulturlandschaft nicht schweren Schaden zufügen sollte“.

Das Aktionsbündnis sieht sich hier in seiner Kritik und seinen Sorgen bestätigt. Die bisher vorgelegten gutachterlichen Studien erweisen sich tatsächlich als ungeeignet. Äußerst unzufrieden sind wir mit dem erklärten Unwillen der staatlichen Brückenbefürworter, die Fähren als Alternative ernsthaft in Betracht zu ziehen. Dass die Alternative der „fliegenden Brücken“ in der Umweltverträglichkeitsprüfung von Cochet Consult und den Aachener Gutachten entgegen klarer Forderungen der UNESCO weder berücksichtigt noch untersucht wurde, ist ausdrücklich zu kritisieren. Wir hoffen, dass diese Versäumnisse nun im Masterplan ausgeglichen werden können.

Wir möchten in Zusammenhang mit den Fähren auf das der Anerkennung als Welterbe zugrunde liegende Kriterium IV hinweisen. Danach ist das Mittelrheintal eine außergewöhnliche gewachsene Kulturlandschaft, deren heutiger Charakter durch die Geologie und die Geomorphologie, d.h. die Oberflächenformen und die menschlichen Tätigkeiten durch Siedlungsbau, Verkehrsinfrastruktur wie auch die Landnutzung im Verlaufe von über zwei Jahrtausenden bestimmt wurde.

Aus unserer Sicht gehören somit die Fähren als wichtiges Element der Verkehrsinfrastruktur eindeutig zum wertbestimmenden Charakter der Landschaft, sie sind ein wichtiger Teil des Welterbes. Das Mittelrheintal ist insgesamt eine der wenigen erhaltenen „Fährenlandschaften“. Es zeichnet sich gerade dadurch aus, dass der Austausch in dem einmaligen canyonartigen Engtal mit seinen hohen Talflanken seit über 2.000 Jahren über den Rhein mit Fähren bewerkstelligt wurde.

Dass die Fähren ihrerseits weiterentwickelt werden müssen und problemlos können, dazu gehören auch verbesserte Angebote wie die Möglichkeit einer 24-Stunden-Verbindung an wenigstens einer Stelle, ist eine bekannte Forderung, der wir uns anschließen.

Der Bau einer Brücke würde hingegen noch mehr Verkehr und Lärm in das Tal bringen. Wir schließen uns hier den Auffassungen der UNESCO an, die ganz klar sagt, dass die hohe Verkehrsbelastung das zentrale Entwicklungsproblem des Mittelrheintals ist. Der eigentlichen wirtschaftlichen Grundlage des Tourismus wird die Basis entzogen. Tourismus braucht gerade in einer stark beschleunigten Zeit Erholungsräume und Ruhe.

Dass man die Folgen von Verkehr und Lärm mit noch mehr Verkehr und Lärm bekämpfen will, ist unlogisch und für das Welterbe genauso schädlich wie die Mutlosigkeit wichtiger Entscheidungsträger, für das zentrale Problem des Bahnverkehrs Lösungen zu finden. Dass man Jahrzehnte lang über trassenabhängige Preise diskutiert, anstatt entschlossen zu handeln, gibt zu denken. Ähnlich verhält es sich mit der zögerlichen Modernisierung völlig veralteter Bremssysteme an den schweren Güterzügen, die eine entscheidende Ursache für die Lärmentstehung sind. Dass alternative Bahntrassen nicht ernsthaft in Erwägung gezogen werden, obwohl nach der Fertigstellung des Gotthard-Basis-Tunnels der Transitverkehr durch das Mittelrheintal dramatisch zunehmen wird, muss man als Skandal bezeichnen.

Dies geht zu Lasten der Menschen im Mittelrheintal und zu Lasten des UNESCO-Welterbes, zu dessen Erhalt in Bestand und Wertigkeit wir verpflichtet sind. Dafür will sich das Aktionsbündnis UNESCO-Welterbe Mittelrheintal einsetzen.

Die Entwicklung des Masterplans, der integrierte Konzepte und Herangehensweisen fordert, wird anspruchsvoll sein und stellt für alle Beteiligten eine große Herausforderung dar. Wir bewegen uns dabei zum Teil auch auf Neuland, so z.B. in Fragen der Öffentlichkeitsbeteiligung, die im Denkmalschutz bislang so nicht vorgesehen ist. Hier kann das Vorgehen am Mittelrhein bundesweit Vorbildcharakter erlangen.

Das Aktionsbündnis versteht sich für den nun anstehenden Prozess zur Entwicklung des Masterplans als wichtiges Element der engagierten Zivilgesellschaft, das insbesondere bei den fachlichen Fragen zum Welterbe der UNESCO gerne seine Unterstützung anbietet.

Das gilt insbesondere auch für die Beteiligung des Deutschen Nationalkomitees von ICOMOS, das mit dem unabhängigen Monitoring, also der Überwachung des Welterbes von der UNESCO beauftragt ist. Dass ICOMOS aber bei den neuesten Planungen für eine Sommerrodelbahn an der Loreley nicht informiert und um Stellungnahme gebeten wurde, wohl aber eine Prüfung naturschutzrechtlicher Sachverhalte vorgenommen wurde, lässt bislang immer noch nicht erkennen, dass die Bedeutung des kulturellen Welterbes und vor allem einer offenen, transparenten und vertrauensvollen Kommunikation allen Beteiligten ausreichend bewusst ist.

gezeichnet für das Aktionsbündnis Welterbe Oberes Mittelrheintal:

Fürst Alexander zu Sayn-Wittgenstein
      Sprecher AktionsbündnisWelterbe Oberes Mittelrheintal
      Präsident Europa Nostra Deutschland und Präsident der Deutschen Burgenvereinigung

Dr. Christian A. Möller
      Vorsitzender Deutsche Gesellschaft für Ur- und Frühgeschichte

Prof. Dipl.-Ing. Helmut Striffler
      Ehrenvorsitzender Rheinkolleg

Dr. Dirk Gotzmann
      Civilscape

Diesen Artikel bookmarken bei ...
BlinkList del.icio.us Folkd Furl Google Linkarena Mister Wong oneview Yahoo MyWeb YiGG Webnews

Google
Web loreleyinfo.de
Quelle: Foto Loreleyfelsen Felix König
© 2006 - 2014 go_on Software GmbH
Deutsch Englisch Französisch Spanisch Italienisch Chinesisch Niederländisch Loreley Info Polnisch Loreley Info Türkisch Japanisch